Aus einem Artikel im Tagesspiegel vom 18. Juni 2026, Seiten 8/9 (Diskussion mit Gert Pickel, Professor für Religions- und Kichensoziologie an der Universität Leipzig), dessen Inhalt ich voll zustimme und den ich daher gerne hier reproduziere:
Welche Handlungsempfehlung würden Sie der Politik geben?
Authentisch und klar zu demokratischen Werten stehen. Deutlich machen, welche Form des Zusammenhalts man will und welche man nicht akzeptiert. Nicht herumlavieren, nur um Mehrheiten zu sichern. Auch Selbstkritik gehört dazu: „Da haben wir einen Fehler gemacht, aber das wollen wir jetzt voranbringen.“ Und vor allem: deutlich machen, dass Kompromisse etwas völlig Normales sind. Derzeit erwartet man von jeder Partei, ihr Programm stur durchzusetzen. Aber Demokratie lebt vom Kompromiss. Das ist unabdingbar.
Sie befassen sich vor allem mit den Schattenseiten der Demokratie. Was gibt Ihnen dennoch Anlass zum Optimismus?
Eine Erkenntnis, die seit Jahrzehnten Bestand hat: Autokraten haben zwei Schwächen. Erstens haben sie kein Vertrauen. Sie brauchen ein gewaltiges Überwachungs- und Sicherheitssystem – man denke an die DDR. Das ist teuer und destabilisiert das System.
Zweitens: Gerade rechte Parteien sind intern massiv zerstritten. Bevor die AfD vieles eingesammelt hat, gab es immer rivalisierende rechte Parteien wie DVU und NPD, die sich nie vereinigen konnten. Diese Zerstrittenheit zeigt sich auf jedem AfD-Parteitag. Und wenn man sichtbarer machen würde, was solche Parteien tatsächlich vorhaben, kämen manche Wähler vielleicht doch noch einmal ins Nachdenken. Darauf sollte man setzen.